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bildungsklick.de weist auf den neu erschienenen Datenreport 2008 hin, welcher von mehreren Kooperationspartnern publiziert wird. Beteiligt sind das Statistische Bundesamt ("destatis"), das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) ud die Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS) sowie die Bundeszentrale für politische Bildung. Der “Datenreport” hat eine weit zurückreichende Geschichte, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschien er zuerst als “Soziologischer Almanach” von Wolfgang Glatzer und Co., erschien seit 1983 periodisch alle zwei Jahre und wurde in “Datenreport” umbenannt. Das Konzept, welches dahintersteht ist bewundernswert und einzigartig: Kernthemen der Gesellschaft und des sozialen Wandels werden als graphische Darstellung oder tabellarisch dargestellt und dann in einem Begleittext interpretiert. Statistiken gibt es viele, Visualisierungen in Form von graphischen Darstellungen werden öfter angeboten, eine solide
Interpretation aber der statistischen Zahlen und dargestellten Sachverhalte ist nur selten zu finden! Daher hier eine strenge Empfehlung an alle, die mit gesellschaftlichen Daten(interpretationen) zu tun haben, diesen Fundus der Erkenntnis nicht zu vergessen! - Der Datenreport 2008 kann an mehreren Stellen kostenlos heruntergeladen werden (
z.B. hier bei der GESIS), ist aber auch für ein geringes Entgelt bei der Bundeszentrale für politische Bildung als Buch zu bestellen.
Schon seit längerer Zeit existiert bei dem Metakatalog KVK das Registerblatt
IBLK Metakatalog, welches neben thematischen Ausschnitten aus verschiedenen Verbundkatalogen auch die
Datenbasis IBLK bot. Diese Datenbasis ist, wenn man so will, der Ursprung des Portals, welches ich heute besprechen möchte, das mittlerweile
IREON-Portal benannt wird.
Die Datenbasis IBLK das Akronym beschreibt die
Internationalen Beziehungen und Länderkunde wird kooperativ vom
Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde (FIV) erstellt, einer Reihe von Forschungs- und Politikberatungs-Institutionen Deutschlands. Sie enthält bibliographische Angaben aber nicht Abstracts! - der Neuerwerbungen dieser Institutionen, die mit Hilfe einer Klassifikation und einem Thesaurus inhaltlich erschlossen werden. Diese Datenbasis ist Grundlage der Datenbank
World Affairs Online (WAO), welche schon seit längerem in verschiedenen Zugängen (beispielsweise in der
ViFaPol) und z.T. kombiniert mit anderen Datenbeständen (beispielsweise in der
WISO-Datenbank von Genios oder im
EINIRAS Database Network) kostenlos und kostenpflichtig angeboten wird.
Hier kommt nun das IREON-Portal neu hinzu. Lediglich noch ein weiterer Zugang? Nein. Wenn man das Portal ausprobiert hat und den Reaktionen von Nutzern trauen darf, dann ist die Konfiguration und in Folge dessen die Handhabung dieses Suchinstruments hervorragend. Schauen wir es uns an:
Auf der Startseite hat man links die Navigationsleiste, rechts oben die Einfache Suche und unten Erläuterungen. Rechts befindet sich eine freie Spalte, die bei der Ergebnisdarstellung dann mit Begriffen zur Einschränkung der Suche gefüllt wird. Ein sehr klarer Aufbau, der interessanterweise mit dem Content Management System Typo 3 realisiert worden ist. Im Hintergrund werkelt die Technologie von FAST, bei der der Name Programm ist. Sie ist bekannt beispielsweise von der Wissenschaftssuchmaschine
Scirus her ...
Bei der einfachen Suche gibt man einfach Suchworte, Phrasen oder trunkierte Begriffe ein. Schon bei der einfachen Suche werden verschiedene
Filtermöglichkeiten angeboten, dazu zählen bereits die zweite Zeile mit Erscheinungsjahr-Angabeoption, dazu zählt die Auswahlbox Suche nur nach Volltexten. Vollends die ausklappbare Zeile Filter bietet die Möglichkeit, die Suche nach Datenbanken, Publikationstypen (hier neben Büchern und Aufsätzen namentlich auch Graue Literatur) und Sprachen einzugrenzen. Hier die erweiterte Suche mit ausgeklappter Filteroption:
Die
Ergebnisdarstellung ist sehr transparent aufgebaut, unter der Literaturangabe sind Schaltflächen mit Weiterleitung zum Volltext, KVK, Subito, EZB und Export nach RefWorks (einer Literaturverwaltungssoftware) zu finden. Die Quelle und die Deskriptoren sind zunächst nicht aufgeführt, durch Anklicken der kleinen Pfeile hinter dem Titel expandiert man die Ansicht und hat dann die volle bibliographische Angabe angezeigt. Welcher Datenbank die jeweilige Angabe entnommen wurde, wird rechts am Rand angezeigt.
Je nach Datenbank ist es unterschiedlich, was angezeigt wird. Die in IREON integrierten Datenbanken
PAIS und Worldwide Political Science Abstracts (WPSA) sind nur dann zugänglich, wenn IREON in einem Hochschulnetz ausgeführt wird oder nach Anmeldung bei den DFG-Nationallizenzen.
Dann kann man auch die
Abstracts nutzen, die diese beiden Datenbanken zusätzlich zu den bibliographischen Angaben bieten. Die Datenbank WAO ist eine reine bibliographische Datenbank, welche über die Liteaturangabe und die Deskriptoren hinaus nichts über den Inhalt aussagt.
Die
Sortierung der Ergebnisse kann man durch verschiedene Optionen steuern. Man kann auch Ergebnisse markieren und dann diese Auswahl im Format verschiedener Literaturverwaltungsprogramme (Endnote, Bibtex, RefWorks) exportieren bzw. sich mit Hilfe von E-Mail zusenden lassen.
Rechts an der Seite werden bei der Ergebnisdarstellung dann in den Feldern Autoren, Datenbanken und Schlagwort Begriffe, Personen und Datenbanken angezeigt, anhand derer man die Ergebnismenge
einschränken kann. Nach einer Suche beispielsweise nach einer Person bekommt man so die Möglichkeit, anhand des Koautors schneller gewünschte Publikationen zu finden.
Vielleicht schieben wir noch ein, was für ein
Profil das IREON-Portal bietet. In der Erklärung auf der Startseite unten ist das eigentlich sehr schön ausgedrückt:
IREON bietet Ihnen Literaturhinweise, Volltexte und (in Kürze) Webseiten zu
außen- und sicherheitspolitischen Themen
Fragen der internationalen wirtschafts- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit
europapolitischen und transatlantischen Themen
regional- und länderbezogenen Fragen weltweit
auswärtiger Kulturpolitik
Klima, Umwelt und Energie
Die
Zielgruppe ist also in allen Wissenschaftlern und Journalisten zu sehen, die an internationalen Fragen jedweder Couleur und an Länderinformationen (damit sind auch die Geographen an Bord) interessiert sind. In meinen Augen ist dadurch ein scharfes Profil gegeben, es sind nicht die Politologen insgesamt oder allgemein Sozialwissenschaftler, für die dieser Dienst sinnvoll ist, sondern wissenschaftlich Arbeitende und Orientierte, welche an internationalen Themen und Länderinformationen interessiert sind.
Dies zeigt sich auch am Zusatzangebot WAO Abkommen, welches die Volltexte von Verträgen und Abkommen im Sicherheitsbereich anzeigt, aber eben nur da. Wenn man beispielsweise ganz dröge und allgemein Europäische Union eingibt, dann werden Verträge der EU angezeigt, aber eben nur im Bereich der Sicherheitspolitik.
Ein echter
Mehrwert, den das IREON-Portal noch bietet, ist der Zugriff auf den
European Thesaurus (Europäischer Thesaurus Internationale Beziehungen und Länderkunde). Hier können Begriffe gesucht werden, die in einem hierarchisch gegliederten Ordnungssystem angeordnet sind. Bei der Eingabe von Friedenssicherung beispielsweise werden Synonyme, weitere und engere Begriffe angezeigt, zudem Siehe-auch-Verweise und die Zuordnung des Begriffs zur Klassifikation, die in der WAO verwendet wird.
Zu dieser kann man wechseln, wenn man rechts die angezeigte Schlagwortliste von der alphabetischen Anzeige auf systematisch umstellt. Hier kann man dann die Zuordnung der Begriffe zur Systematik der Klassifikation sowie alle anderen zugeordneten Schlagwörter ansehen, ggf. anklicken, worauf sie dann wieder links dargestellt werden.
Alle ca. 8.000 Begriffe (laut Beschreibung, laut Schlagwortliste sind es mehr als 12.000 Begriffe) kann man in andere Sprachen übersetzen lassen (wird dann ganz unten unter den Ergebnissen ausgeworfen). Und alle Begriffe haben eine kleine Schaltfläche, mit deren Hilfe man sofort nach Ergebnissen im Portal recherchieren kann.
Lediglich einen Link bietet das IREON-Portal zur Datenbank
Online Contents IBLK, die wie alle anderen OLC-Datenbanken beim Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet und wie viele von ihnen lediglich in Hochschulnetzen zugänglich ist. Privatpersonen haben hier also das Nachsehen! Die Betreiber von IREON sollten sich daher überlegen, ob sie wirklich die OLC-Suche integrieren wollen. Auch die Suche in den Datenbanken PAIS und WPSA ist beschränkt, aber immerhin hat man schon einmal eine bibliographische Angabe in der Hand und (nur als in Deutschland lebende/r) prinzipiell die Möglichkeit, sich bei
nationallizenzen.de registrieren zu lassen und dann die Datenbanken im vollen Umfang zu nutzen. Dieser institutionell privilegierte Nutzung von OLC ist aus der Sicht von Privatpersonen schlicht ärgerlich!
Alles in allem besticht das IREON-Portal durch ein scharfes Profil, einen klaren Aufbau und eine gute Handhabbarkeit. Hierzu ist auch hinzu zu zählen, dass man auf jeder Stufe zwischen deutscher und englischer Anzeige umschalten kann, beileibe keine Selbstverständlichkeit bei deutschen Diensten.
Das bedeutet auch, dass der Dienst international ohne grössere Schwelle genutzt werden kann. Auch das - leider! - ein Alleinstellungsmerkmal! Jedenfalls ist das IREON-Portal ein Angebot, an welchem Politologen kaum vorbeikommen werden können, sowohl vom Leistungsumfang der eingebundenen Datenbanken, der Aktualität der Einträge in WAO als auch von der hervorragenden Handhabung her. Dazu zählen übrigens auch die stets leicht erreichbaren und gut gestalteten Hilfetexte. Wünschenswert bezogen auf die Handhabung wäre allenfalls noch die Erweiterung mit RSS-Abonnements-Möglichkeit. Für Nutzer mit breiterem Interesse (also Politologie allgemein oder Sozialwissenschaften) sind andere Diensten wie die
ViFaPol oder demnächst wird es vorgestellt
Sowiport sinnvoll.
Ein Recherche-Beratungsgespräch fängt oft so an, dass ein Benutzer kommt und fragt, ob es denn in der Politologie “auch” einen Rechercheeinstieg, eine Quelle gibt, in der man
“alles” finden kann. Wenn man nach dem Erfahrungshintergrund/Vergleichshorizont fragt, sind es oft Geographen und Wirtschaftswissenschaftler, welche entsprechend unfangreiche Datenbanken benutzen. Da kann man nur neidisch sein, dass diese Wissenschaften ihre Ressourcen offensichtlich so gebündelt haben, dass der Eindruck entsteht, man könne mit
einer Rechercheabfrage alles zum Thema bekommen. Ein alter Traum!
Dennoch dachte man bei der Entwicklung/Förderung der
Virtuellen Fachbibliotheken, dass es Ziel der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) sei, für die einzelnen Fächer/Fachrichtungen jeweils
ein Portal zu schaffen, in dem die zur Verfügung stehenden Ressourcen gebündelt und so den Nutzern konzentriert angeboten werden können. Schon im Fach Geschichte konnte man beobachten, dass das es nicht gelang, dieses Ziel zu erreichen, da bereits bestehende Institutionen/Netzwerke es schafften, jeweils für sich gefördert zu werden. Wahrscheinlich dachte man sich bei der DFG, dass
Vascoda sowieso die Klammer über die divergierenden Angebote darstellen und den zentralen Einstieg bieten könnte. Nun ja.
In der Politikwissenschaft/Friedensforschung wurde recht früh die
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) mit der Erstellung einer
Virtuellen Fachbibliothek Politikwissenschaft beauftragt, welche auch die Sondersammelgebiete in diesen Themenbereichen betreut. Man möchte meinen, dass spätere Initiativen/Vorste auf diese bestehende (und, wenn ich so sagen darf) gut umgesetzte Institution verwiesen w?rden. Dem war nicht so, denn der Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde (FIV) war offensichtlich mit den in ihm vertretenen Think Tanks so schwergewichtig, dass er unlängst ein eigenes
Fachportal genehmigt bekam, welches zuerst unter dem Namen
Fachportal IBLK und jetzt als
IREON Portal (Internationale Beziehungen und Länderkunde Online) angeboten wird - fast ohne Aufsehen zu machen, ganz ohne Werbung.
Ebenso heimlich, still & leise erblickte
Sowiport das Licht. Wenn nicht gleichzeitig die
ViFaSoz in der Versenkung verschwunden wäre, möchte man doch meinen, dieses sozialwissenschaftliche Portal wäre neu gegründet worden. Nun, immerhin, das Angebot des Portals ist vielfältig, überschneidet sich zufällig auch mit dem von IREON und auch - ach ja, auch die ist ja noch da - mit der Datenbank
infoconnex, welche auch noch auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften angeboten wird.
Allen Angeboten ist gemein, dass sie
eine integrierte Suchoberfläche für verschiedene Quellen bieten, Quellen, die z.T. auch von anderen der genannten Rechercheportale angeboten werden. Die -Datenbank “World Affairs Online” (WAO) wird von der ViFaPol angeboten, aber auch von IREON. “Online Current Contents” (OLC)-Datenbanken findet man in der ViFaPol und auch in IREON und schließlich die umfangreichen Datenbanken
PAIS und die
Worldwide Political Science Abstracts (WPSA) sind in IREON, in sowiport und auch in infoconnex zu finden.
Vollends toll wird es, wenn diese Datenquellen unterschiedlich eingebunden sind. Infoconnex ist für einen Privatnutzer fast sinnlos, es sei denn, er meldet sich als Nationallizenzennutzer an und bindet dann die eigentlich interessanten, umfangreichen bibliographischen Datenbanken in die Suche ein. Die World Affairs Online (WAO) ist ja frei an vielen Stellen zu recherchieren (EINIRAS, ViFaPol, IREON, KVK), aber die OLC (Online Contents)-Datenbanken sind ganz unterschiedlich eingebunden: Die ViFaPol bietet die OLC SSG Politikwissenschaft wenigstens frei zur bibliographischen Suche an und man bekommt als Privatperson zumindest die Kurztitel-Ergebnisse zu sehen, anhand derer man weiterrecherchieren kann; IREON bietet lediglich einen Link zu einer verschlossenen Tür. Was will man denn auch als Privatperson wissenschaftlich recherchieren?! Wissenschaft wird scheint’s nur auf dem Hochschulcampus getrieben! Und die Forschungsdatenbanken SOLIS und SOFIS sind sowohl in Sowiport als auch in Infoconnex zugänglich.
Ein paarmal mit unterschiedlicher Suchoberfläche fast dasselbe also, welches aber immer wieder auch die (deutschen) Privatnutzer verprellt, weil die über die Nationallizenzen lizensierten Datenbanken (v.a. CSE-Datenbanken wie PAIS und WPSA) halt automatisch nur in Hochschulnetzen freigeschaltet sind und man sich erst einmal anmelden muss und dann sich über einen Anmeldevorgang hineinpfriemeln. Komfort geht anders, ich will aber gerne zugeben, dass die Nationallizenzen gut und schnell verwaltet werden und es da nicht allzuviel zu meckern gibt.
Der Normalbenutzer aber fragt sich, welchen Zugang er denn wählen soll? Gibt es irgend ein Portal, das standardmig besser ist als das andere? Ich habe mit ein paar Fragestellungen die ViFaPol, IREON und Sowiport getestet: Es ist vertrackt, je nach Fragestellung hatte ein anderes Portal die Nase vorn! Bei “democratic peace” peacebuilding brillierte die ViFaPol, bei structural violence galtung war es sowiport, “conflict management” somalia bediente klar ireon und bei der Suche nach Eintr?gen zum Politikwissenschaftler Fariborz Zelli (ein schöner Name für eine Proberecherche!) hatte sowiport die Nase vorn, weil eben auch die Forschungsdatenbanken mit eingebunden sind.
Meine Einschätzung nach mehreren Durchläufen: Die
ViFaPol sollte man auf jeden Fall berücksichtigen, weil dort bei der Metasuche noch die Ergebnisse aus der Linksammlung und aus dem Internet “on board” sind;
IREON ist wegen der Genauigkeit der Suche und vor allem bei der Suche nach Länderquellen zu berücksichtigen;
sowiport ist ebenfalls so leistungsfähig, dass man es im Grunde nicht negieren kann, will man die Sache professionell angehen ... Die Suche über
Vascoda hingegen stellt in meinen Augen dabei keine Alternative dar, schon gar keine pfiffige, weil die Anfrage nicht so spezifisch gestellt werden kann wie bei den genannten Fachinformationszugängen und die Durchsicht der zu umfangreichen Ergebnisse Zeit frißt.
Wie die Dienste
IREON und
sowiport im einzelnen konfiguriert sind, möchte ich in den nächsten Tagen eingehender darstellen. Die
Virtuelle Fachbibliothek Politikwissenschaft wurde hier bereits früher eingehend dargestellt, dem brauche ich nichts hinzuzufügen.
Die OECD meldete heute:
“Die OECD in Zahlen und Fakten 2008 ist die vierte Ausgabe des statistischen Jahrbuchs der OECD. Über 100 Indikatoren decken ein weites Spektrum von Wirtschaft über Handel bis zu Energie und Bildung ab. Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Thema Produktivität.
Die Statistiken umfassen alle 30 OECD-Mitgliedsländer sowie die wichtigsten Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien und Südafrika. Internetlinks unter jeder Tabelle verweisen für alle Indikatoren auf herunterladbare Dateien im Excel-Format.”
Das Inhaltsverzeichnis des Factbooks auf SourceOECD bringt die Rubriken und verweist auf die vorhergehenden Ausgaben.
infobib wies (in Folge einer Meldung in der c’t) schon länger
auf das neue Statistikportal Statista hin. Es sieht sehr bunt aus, sehr nach Bemühung, Zahlen interessant zu machen und an die Frau bzw. den Mann zu bringen, und sei es mit Quiz. Dröge Tabellen waren gestern, Visualisierung ist gefragt. Man kann den Bestand mit Hilfe von Stichworten durchsuchen, es gibt aber auch ein Verzeichnis nach Kategorien, die man durchbrowsen kann. Die spannende Frage: “Und, was ist drin im Pott?” kann man beim Blättern recht schnell beantworten: Vor allem Meinungsforschung. Vieles riecht nach Allensbach, die Bestände des deutschen Statistischen Bundesamtes sind zwar auch drin, aber nicht profilprägend. Wer steht hinter Statista? Laut Stuttgarter Zeitung vom 25.06.08 ein zurzeit aus 10 Mitarbeitern bestehendes Unternehmen, das Zahlen möglichst “einfach, schnell und unterhaltsam” präsentieren will und als Zielgruppen Journalisten, Werbetreibende, Wirschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Otto Normalverbracher im Visier hat. Eine Million Statistiken will man bereits im Portalbestand haben (eine Suche nach “Bibliothek” ergibt ein einziges, irrelevantes Ergebnis) und noch weiter expandieren. Die vorhandenen Ergebnisse werden schön mit Registerkarten gestuft dargestellt, es wird als Standard stets eine graphische Darstellung gezeigt, die man nach bestimmten Merkmalen (u.a. Geschlecht, Einkommen, Länder) filtern kann. Es sind auch Vergleiche möglich, ebenso bei nicht-nominalen Daten die Darstellung und Filterung von Durchschnittswerten. Die Quelle wird stets ebenfalls mit angegeben.
Aufgebaut ist dieses Statistikangebot hervorragend, der Inhalt ansprechend angeboten, die Aussagen visualisiert, graphische Darstellungen kann man auch in andere Webseiten implementieren. Man merkt, dass ein Medienwissenschaftler für Aufbau und Pflege des Angebots zuständig ist.
Gleichwohl fehlt mir etwas: Die Interpretation des Inhalts. Wenn man das Angebot vergleicht mit Redaktionsdiensten, wie man sie seit langem als Loseblattsammlungen kennt, so waren dort stets graphische Darstellungen
mit erklärenden Informationen enthalten. Die graphische Darstellung ist viel, aber nicht alles! Wenn es nicht in Spielerei und Beliebigkeit des Filterns ausarten, sondern zu einem Verständnis der Gesellschaft beitragen soll, dann sollte noch eine Interpretation mit angeboten werden. Wahrscheinlich aber liegt das in der Anforderung weit über dem, was von einer kleinen Firma geleistet werden kann. Mein Fazit daher: Sehr interessant, vielleicht als Datenfundus für den einen oder anderen Zweck durchaus attraktiv; im Sinne der Bildung und der Wissenschaft aber zuwenig.
Wobei ich zugeben muss, dass das sehr selten geleistet wird! Wenn man im Bereich Ländervergleich schaut, dann kommt man mit
NationMaster, einem australischen Angebot, mit dessen Hilfe man statistische Zahlen zu Ländern oder Themen suchen und sich anzeigen lassen kann, doch schon sehr weit. Sehr schön sind hier die Möglichkeiten, sich die Zahlen auch graphisch anzeigen zu lassen und zwei verschiedene Themengebiete miteinander vergleichen zu können. Aber Interpretationen? Die sind auch in NationMaster nicht zu finden. Meines Wissens ist der der “Datenreport” (in den siebziger, achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts hieß er “Soziologischer Almanach"), welcher alle 2 Jahre vom Statistischen Bundesamt erstellt wird, das einzige Buch, welches breit Interpretationen statistischer Daten anbietet.
Zuletzt erschien der Datenreport im Jahr 2006. Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes
ist er als eBook (PDF) herunterzuladen.