top down vs. bottom up approach

In der Bibliometrie lassen sich zwei unterschiedliche Ansätze der Datenerhebung unterscheiden:

Beim top down approach werden die Publikationen in bibliographischen Datenbanken recherchiert, wobei die Selektion über die institutionelle Adresse der Autoren erfolgt. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Datenbanken bloss die institutionelle Adresse des Erst- bzw. Korrespondenzautors erfassen. Scopus von Elsevier und SCI, SSCI sowie AHCI von Thomson ISI gehören zu den wenigen Datenbanken, die die institutionellen Adressen sämtlicher Autoren erfassen. Da die Schreibweise der institutionellen Adresse in den Datenbanken nicht einheitlich ist, kann die Recherche der relevanten Publikationen nicht zu unterschätzende Probleme mit sich bringen (z.B. van Raan, 2005; Marx, 2001; de Bruin & Moed, 1990). So existieren beispielsweise bei Ortsnamen parallel englische und deutsche Schreibweisen, das Kürzel UNIV taucht bei Publikationen von Universitäten nicht immer in der Adresse auf oder die Abkürzung der institutionellen Adresse, die in der Datenbank abgespeichert ist, lässt keine eindeutige Zuordnung zu (z.B. kann aufgrund der Abkürzung PHYS CHEM nicht zwischen Physikalischer Chemie und Physiologischer Chemie unterschieden werden).  Demnach besteht die Kritik des top down approach einerseits in der Möglichkeit, dass nur ein Teil der relevanten Publikationen mit den verwendeten Suchbegriffen aufgefunden wird, andererseits in der Tatsache, dass oft nur ein Teil der relevanten Publikationen in den bibliographischen Datenbanken indexiert ist.

Beispiel: Recherche der Publikationen des Instituts für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich in Web of Science von Thomson ISI. Ob eine solche Recherche die Publikationstätigkeit eines Instituts oder einer Forschungsgruppe gut abdeckt, hängt vom Fachgebiet, der Datenbank und der Suchstrategie ab.
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Der top down approach eignet sich vor allem für bibliometrische Analysen auf einem hohen Aggregationsniveau (z.B. Vergleich der Publikationstätigkeit unterschiedlicher Länder). Sind einzelne Institute oder Forschungsgruppen Gegenstand der bibliometrischen Analyse, so bietet sich der bottom up approach an. Dieser Ansatz legt die Publikationslisten von Instituten oder Forschungsgruppen der Analyse zugrunde, d.h. die bibliometrischen Indikatoren werden auf der Grundlage von verifizierten Daten berechnet. Der bottom up approach macht es ausserdem möglich, von einem bestimmten Institut oder einer bestimmten Forschungsgruppe die Zitierungen aller Publikationen zu ermitteln, unabhängig davon, ob die entsprechende Publikation in Scopus bzw. SCI, SSCI und AHCI selbst indexiert ist. Dieses Vorgehen wird in der Literatur unter dem Begriff full option method diskutiert (Van Hooydonk & Milis-Proost, 1998).

Siehe auch:
Scopus - neue multidisziplinäre Datenbank
Zitationsanalysen im Science Citation Index über STN International

Literatur:
De Bruin, R. E., & Moed, H. F. (1990). The unification of addresses in scientific publications. In L. Egghe & R. Rousseau (Eds.), Informetrics 89/90 (pp. 65-78). Amsterdam: Elsevier.
Marx, W., Schier, H., & Wanitschek, M. (2001). Citation analysis using online databases: Feasibilities and shortcomings. Scientometrics, 52(1), 59-82.
Van Hooydonk, G, & Milis-Proost, G. (1998). Measuring impact by a full option method and the notion of bibliometric spectra. Scientometrics, 41(1-2), 169-183.
Van Raan, A. F. J. (2005). Fatal attraction: Conceptual and methodological problems in the ranking of universities by bibliometric methods. Scientometrics 62(1), 133-143.
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