Thomson Scientific hat seiner Datenbank Web of Science eine neue Funktion verpasst:
Citation Report. Umfangreiche Zitationsanalysen werden mit dieser neuen Funktion wesentlich vereinfacht.
Citation Report analysiert die Zitierhäufigkeiten von Publikationen und stellt sie in tabellarischer Form dar. Aus der Tabelle ist ersichtlich, wie häufig eine Publikation in den einzelnen Jahren, insgesamt und durchschnittlich pro Jahr zitiert wurde. Die Ergebnisse können ausgedruckt, per E-Mail verschickt oder als Text-Datei abgespeichert werden.
Ausschnitt aus dem Citation Report am Beispiel des Physikers Ed Witten [Screenshot vergrössern].
Citation Report gibt für die Suchergebnisse auch aggregierte Statistiken an, nämlich die Summe der Zitierungen, die durchschnittliche Zitierhäufigkeit einer Publikation und den h-Index (siehe Beitrag
“Der h-Index zur Bewertung der Forschungsleistungen einzelner Wissenschaftlerinnen u. Wissenschaftler”). Die Anzahl Publikationen und die Anzahl Zitierungen werden ausserdem im Zeitverlauf graphisch dargestellt.
Der Citation Report wird von der Seite mit den Suchergebnissen her aufgerufen; der Button findet sich in der rechten Spalte. Maximal können 10’000 Publikationen analysiert werden.
Bei Zitationsanalysen mit dem Citation Report sind zwei Punkte im Hinterkopf zu behalten: (a) Zitierungen, die in irgendeiner Weise fehlerhaft oder unvollständig sind, gehen verloren und (b) die Zitierhäufigkeit von Publikationen, die in Web of Science selbst nicht erfasst sind, kann nur über die “Cited Reference Search” bestimmt werden.
Mit der Aufnahme des h-Index in den Citation Report trägt Thomson Scientific dem grossen Interesse an diesem neuen bibliometrischen Indikator Rechnung, was grundsätzlich begrüssenswert ist. Dass der h-Index mehr oder weniger kommentarlos bei jeder Suchabfrage angegeben wird, macht jedoch wenig Sinn. Hirsch (2005) hat den h-Index zur Bewertung der Forschungsleistungen einer
einzelnen Wissenschaftlerin bzw. eines
einzelnen Wissenschaftlers vorgeschlagen (siehe Beitrag
“Der h-Index zur Bewertung der Forschungsleistungen einzelner Wissenschaftlerinnen u. Wissenschaftler”); Braun, Glänzel und Schubert (2006) haben den h-Index für die Bewertung von
einzelnen Zeitschriften erweitert. Ob der unbedarfte Benutzer die Definition des h-Index kennt und den Wert richtig zu interpretieren weiss, bezweifle ich.
Und noch dies: Die multidisziplinäre Datenbank Scopus vom Elsevier-Verlag verfügt bereits seit Januar 2006 über eine vergleichbare Funktion namens
Citation Tracker. Thomson Scientific hinkt mit Web of Science einmal mehr hintendrein. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Scopus die Entwickler von Thomson Scientific wieder hinter den Kopierapparat schickt.
Literatur:
- Braun, T., Glänzel, W., & Schubert, A. (2006). A Hirsch-type index for journals. Scientometrics, 69(1), 169-173.
- Hirsch, J. E. (2005). An index to quantify an individual’s scientific research output. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 102(46), 16569-16572.
Siehe auch: